Mein Einsatz in der Praxis kommt jeweils oft erst zum Zug, wenn Schmerzen bereits akut sind. Wie du ja weisst, liegt es mir jedoch am Herzen, praktikable prophylaktische Möglichkeiten zu teilen so dass ein Schmerz nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen muss.

Brugger Stadtlauf neu

Stadtlauf 1987

Kurz zu meiner Geschichte: Ich kann mich an wunderbare Laufeinheiten in meiner Kindheit – zusammen mit meinem Vater und meiner Schwester – erinnern. Ab jugendlichem Alter war Laufen aufgrund von Knieproblemen über viele Jahre hinweg kein Thema mehr. Mehrere Versuche – auch in Kombination mit Muskelaufbau – scheiterten nach kurzer Zeit wegen starker Schmerzen. Vor einigen Monaten habe ich nun dank einer (für mich neuen aber in der Sportwelt längst bekannten) Perspektive wieder damit begonnen und bin überglücklich, dass es funktioniert. Ich kann schmerzfrei laufen – eine wahre Freude!!!

Ich möchte hier keine Trainingstipps weitergeben sondern nur erzählen, wie das bei mir war – und diese wunderbare Möglichkeit mit dir teilen.

Ich kenne fast niemanden, der nicht gerne läuft. Laufen ist einfach, natürlich, macht Spass und braucht keine langwierigen Vorbereitungen. ABER: Laufen belastet die Gelenke – so die allgemeine Meinung (auch meine, bis vor Kurzem, da ich es jeweils bereits nach kürzester Zeit mit massiven Kniebeschwerden zu tun hatte).

Vor ein paar Monaten stolperte ich über Martins Video zum Thema Vorfuss-Mittelfuss-Lauf und fand die Erklärung dermassen gut, dass ich es für mich gleich ausprobieren musste. Nach wenigen Tagen hatte ich den neuen Laufstil intus und «federte» regelrecht durch die Gegend – war das ein neues Lauferlebnis, unbeschreiblich! Jeder Auftritt ein Hochgefühl! Ah ja und die Erfahrung, dass sich Verspannungen durch das Laufen ab- und nicht aufbauen war auch komplett neu ;).

Ich machte es mir zur Gewohnheit, in den frühen Morgenstunden jeweils für 30 Minuten zu laufen was mir enorm gut tat und noch immer tut. Ich gestehe, der beschriebene Muskelkater zu Beginn konnte sich wirklich sehen oder viel mehr fühlen lassen, so dass ich in den ersten Wochen einige Regenerationstage einlegen musste bis sich der Körper auf die neue Belastung eingestellt bzw. die Muskulatur entsprechend aufgebaut hatte.

Seither ist Laufen einfach wundervoll – Knieprobleme hatte ich übrigens seit dem ersten Tag der Umstellung keine – nie!

So und natürlich möchte ich dir das besagte Video nicht vorenthalten:
Video zum Laufstil

Es kann sein, dass es nicht jedermanns Sache ist. Für mich war es jedenfalls genau das Richtige und es hat sich für mich im wahrsten Sinne des Wortes eine neue Welt eröffnet. Folgende Punkte habe ich für mich noch beachtet:

  • Dehnen: viele Beschwerden können vermieden werden, wenn nach dem Laufen in die warme Muskulatur gut gedehnt wird – nicht übertreiben von der Intensität her, dafür jedoch Dehnungen für rund 50 Sekunden halten (unter 20 Sekunden bleiben sie effektlos). Generell, aber vor allem bei Kniebeschwerden, auch den Iliopsoas mitdehnen (Tipp einer befreundeten Therapeutin, der sehr wertvoll für mich war).
  • Statik: natürlich auch aus therapeutischer Sicht ganz wichtig! Vor Trainingsbeginn sollte die Statik korrigiert sein (z.B. mit der DORN-Methode) so dass sich die Muskulatur gleichmässig aufbauen kann. In eine Fehlhaltung hinein zu trainieren könnte ziemlich unschöne Nebenwirkungen zur Folge haben.
  • Nicht übertreiben: wer – wie ich – kein Marathonläufer werden möchte startet möglicherweise mit der Motivation, einfach ein besseres Körpergefühl und ein erhöhtes allgemeines Wohlbefinden zu erzielen. Dafür haben in meinem Fall zu Beginn 30 Minuten 2-3 x die Woche vollkommen ausgereicht.
  • Im eigenen Rhytmus: ich laufe für mich, nicht für die anderen. Es ist mir also vollkommen egal, in welchem zeitlichen Verhältnis ich unterwegs bin. Letztendlich ist das Ziel erreicht, wenn es mir gut tut und besser geht und es ist irrelevant, ob andere beeindruckt sind oder nicht.
  • Pausen eingestehen: wenn es mal an einem Tag nicht so gut läuft, dann wird halt eben eine kürzere Runde gedreht oder sogar mal eine entsprechende Pause eingelegt. Es fällt kein Zacken aus der Krone und das Gefühl danach ist phantastisch!

Ich habe viele Läufer in der Praxis (ergänzt doch diesen Beitrag über die Kommentare, wenn ihr mögt!), kenne jedoch auch viele Personen, die gerne laufen würden, sich aber wegen der Belastung der Gelenke nicht getrauen… vielleicht kann euch der Beitrag motivieren :).

Mit me sportliche Grüessli an alli, Simone